Ich weiß noch, dass es in der letzten Phase meiner Schulzeit an der Realschule war. Es passierte plötzlich und ich hatte keine Ahnung, was da mit mir passiert. Schon immer war ich ruhiger, angepasster und emotionaler, als andere Menschen. Vielzu oft habe ich mit sechzehn diese Eigenschaften verteufelt. Ich wollte mein Leben lang sprechen, ausdrücken, was mich bewegt, aber etwas in mir konnte nur bedingt sprechen über Dinge, die mir Wort wörtlich damals auf der Seele lagen und doch nicht raus konnten.

Es war ein normaler Schultag und soweit war auch alles okay, zwar hatte ich kaum Freundinnen, war häufig allein und fühlte mich seit jeher “anders”, aber das war okay. Ich sprach so viel wie möglich war, aber dann kam dieser eine Tag der vieles verändern sollte.

Ich konnte und wollte nicht mehr leben, ich wollte lieber sterben, denn so wie mein damaliges Leben war, hatte ich keine Perspektive. Ich war unglücklich. Viel zu überfordert mit den ganzen Gefühlen, die da in mir waren und doch nie so richtig beschrieben oder konkretisiert werden konnten, WAS das für Gefühle sind.

Zwei Wochen lang sprach ich gar nicht mehr und weinte immer wieder. Essen war dagegen eine seelische Nahrung für mich geworden. Ich erinnere mich, dass es vorher eine Phase gab, wo ich so gut wie gar nichts aß und lieber hungerte. Ich wollte so schön sein, wie alle anderen. Und dann wiederum fraß ich alles in mich hinein. Wie hätte ich mit 16 Jahren wissen sollen, dass ich da nicht nur Nahrung aufnehme, sondern auch wirklich etwas, nämlich unangenehme Gefühle hinunterschlucke und sich das nun rächte?

Niemand sprach direkt über Gefühle, was das Zeug ist oder wie es uns beeinflusst. Weder zuhause, noch im Kindergarten und schon gar nicht in der Schule. Wenn es Ärger gab wurden die Streithähne getrennt, wenn jemand traurig war wurde er getröstet, aber das all diese Gefühle normal sind und auch rausmüssen, sagte niemand. Gefühle waren etwas gefährliches, geheimes. Positive waren in Ordnung, dass lernte ich schnell. Aber die negativen gehörten nicht zu einem. Ständig lieb, brav und angepasst zu sein, hat erst einmal viele Vorteile. Man bekommt selten Ärger, man wird immer gemocht (glaubte ich) und man bekommt besonderen Schutz. Nun gut. Nur das dieser Schutz mit der Zeit und im Alter weniger wird? Wie hätte ich das wissen sollen? Ich wollte einfach das kleine Kind sein, spielen und vorallem malen.

Beim Malen war die Welt für mich vollkommen. Ich konnte so sein, wie ich bin meinen Träumen nachhängen und das Ausdrücken, was mir über Worte so schwer fiel. Beim Malen fühlte ich mich frei, es gab weder Grenzen noch musste ich mich verstellen.

Doch so richtig Beachtung bekam ich nie dafür aus meiner Sicht. Das viele sehr begeistert davon waren, wie schön ich malen konnte und das sie auch neidisch auf dieses Talent waren, nahm ich nicht war.

Ich fühlte mich nur immer mehr allein mit meiner kleinen Welt, die so gar nicht in die große Welt voller Gefahren und diesem ganzen Neuen reinpassen wollte.

Doch wenn du einen Schritt in die Welt des Todes machst und über das Leben beginnst nachzudenken, dann ändert sich der Blickwinkel und trotz all diesem Schmerz und Chaos, was in dir herrscht, entsteht ein Gefühl von Vertrauen und Liebe. Das es etwas Anderes gibt, was höher ist, als die Menschheit an sich und etwas in mir sagte: “Geh noch nicht, das Leben hat mehr zu bieten und ist wundervoll. Du hast eine Aufgabe.”

Okay. Also doch weiterleben. Aber wie soll man bitte mit Sechzehn Jahren mit so viel Trauer fertig werden?! Ja, es war Unmengen an Trauer, Tränen, die da damals flossen. Wie hätte ich damals schon wissen sollen, dass es eine Einladung meiner Seele ist, nicht die Ausbildung als Mediengestalterin zu machen und sich mit meiner Mutter und meinem Vater auszusöhnen?

Wie hätte ich ahnen sollen, dass ich wirklich eine Aufgabe hier habe? Ich war sehr unsicher und nur mit Unterstützung konnte ich lernen diese Gefühle zu verarbeiten. Dabei ist das Leben sehr verrückt. Erst später durfte ich auch lernen, dass ein Mensch, der Arzt ist, in seinem Leben selbst mal Hilfe brauchen wird und vollkommen aus der Rolle fallen wird?

Das Leben geht komische Wege…

Nunja. Meinen Weg, meine Erfahrungen und all das, was mich bereits Coaches und spirituelle Lehrer auf meinem Weg gelernt haben, nicht zuletzt meine Seele möchte ich hier auf diesem Blog teilen. Denn ich spüre, dass ich hier bin, um andere Menschen, die noch ganz am Anfang auf ihrem Seelenweg stehen, begleiten möchte und zeigen will, dass man mit Umbruchphasen und den Einstieg in die Seele neuere Herausforderungen auf einen warten, die aber auch liebevoll und ganzheitlich angegangen werden können.

Alles Liebe

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