Wie schon im ersten Beitrag geschrieben, habe ich schon früh angefangen zu malen. Ich glaube neben dem Laufen waren Farben und die Welt der Fantasie das, was mich am weitesten faszinierte und in Anspruch nahm.

In der Welt der Fantasie und Träume ist einfach alles möglich. Es gibt keine Grenzen und alles ist machbar. Du kannst eine Prinzessin sein, eine Reiterin, eine Indianerin …

Und dann trifft auf diese zarte, weiche Welt plötzlich die Realität. Grausam, einsam, verletzend, schnelllebig. Kaum ein Platz für jemanden, wie mich, die so zart besaitet ist und Gefühle braucht, um zu verstehen, was mit dem Gegenüber los ist.

Als erwachsener Mensch mag das Merkwürdig klingen und ja heute sehe ich das auch anders, aber damals im Alter von 3 oder 4 Jahren? Alles um mich herum war laut und unverständlich. Ich lebte oft in Ängsten und wusste nie genau, was auf mich zu kam.

Beim Malen konnte ich all das Verarbeiten. Malen war einfach da und half mir mich auszudrücken. Das erwachsene Menschen dann ganz andere Dinge in die Bilder reininterpretieren, die gar nicht von Belang für mich waren. Tja, dass macht das Ganze ganz schön schwierig.

Nicht immer muss ein Bild sofort eine Botschaft haben. Mir ging es einfach um dem Ausdruck, um zu zeigen, “Hey, ich bin da. Nehmt mich wahr.”

Wenn du so willst, war es ein Weg, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen und auch einen kleinen Teil zur Welt beizutragen.

Was ich da in Wahrheit alles verarbeitete? Keine Ahnung. Woher soll man das aus erwachsener Sicht noch alles Wissen? Aus Erzählungen weiß ich, dass ich häufig Türen gemalt habe, wenn angeblich jemand nicht da war und ich keinen Zutritt zu dem Menschen hatte, der für mich aber wichtig war.

Ich würde aus heutiger Sicht einfach sagen, ja genial! Wie soll sonst ein Kind, was sich nicht über die verbale Sprache richtig ausdrücken kann, dass es verständlich ist, was es möchte oder fühlt, sonst sagen: “Hey, da ist jemand, der mir wichtig ist, aber ich kann momentan nicht zu demjenigen hin?”

Türen sind nun mal ein allgemeingültiges Symbol für Öffnungen, Wege, Zugang zu etwas. Als Kind lernen wir schnell, wie die äußerliche Welt funktioniert und einfache Symbole bringen die Dinge dann auf den Punkt.

Erwachsene versuchen jedoch wer weiß, was in solche Bilder reinzuinterpretieren. Bilder sind aber einfach nur.

Ein Erwachsener käme nie auf die Idee ein Bild einfach nur als “schön” zu empfinden und dieses ohne Worte zu betrachten. Es muss ständig noch etwas verbessert, verfeinert und kritisiert werden. Super, für ein Kind, was damit schnell lernt, meine Bilder sind nichts wert und werden nie gut genug sein.

Ich schreibe das hier mit Absicht etwas zwiespaltig und ironisch, denn wir glauben immer mehr zu wissen, als wir wirklich wissen. Wir können nicht mehr einfach nur annehmen und dankbar sein.

Dabei ist genau das ein Teil des Seelenweges, was mich meine Seele jeden Tag aufs neue lehrt: Annehmen und Dankbar sein. Sein. Ohne Bedingungen, Beurteilungen. Einfach mit dem Sein, was ist.

Kunst hat keine Grenzen und ob sie gut oder schlecht ist, wer entscheidet was schon?

Mit dieser Frage möchte ich dir einen Anreiz geben, darüber nachzudenken, ob du weiterhin zu kritisch mit dir sein möchtest. Denn so, wie die Kunst unvollkommen, vollkommen ist, so ist auch das Leben alles und nichts.

Jacqueline

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